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Harry Pepl * 1945  † 2005
Schwarzweißfoto von der Bühne aus: Harry Pepl blickt über die Schulter in die Kamera, dahinter ein leerer Saal, eine Fernsehkamera und Scheinwerfer.

Harry Pepl

Gitarrist, Komponist und Innovator des europäischen Jazz

Harry Pepl war ein Gitarrist, wie dieses Land vielleicht keinen zweiten hervorgebracht hat.

Martin Gasser, Kronen Zeitung, 2015

Harry Pepl auf der Bühne, Blick zurück. Foto: Ralf Quinke

Geboren
10. September 1945, Wien
Gestorben
5. Dezember 2005, Wiener Neustadt
Instrumente
Gitarre, MIDI-Gitarre, Klavier, Schlagzeug
Methode
Real-time Composing
Aufnahmen bei
ECM, Label Bleu, Amadeo, Universal, Fullmax Recordings
Lehre
Professor für Jazzgitarre, Graz

Harry Pepl prägte als Gitarrist und Innovator den österreichischen und den europäischen Jazz und zählte international zu den Spitzengitarristen seiner Zeit. Er spielte mit Benny Goodman, Jack DeJohnette, Dave Holland, Michel Portal, Enrico Rava und Dino Saluzzi und machte mit Werner Pirchner als Jazzzwio zwischen Berlin und Montreux Furore, später auch mit seiner US-österreichischen Band „Air Mail“.

Wie Pat Metheny gehörte er zu den ersten Jazzmusikern weltweit, die die MIDI-Gitarre spielten, und er machte sie zum Werkzeug des Komponierens: Für die „Schönberg Improvations“ steuerte er mit ihr einen Bösendorfer (Wiener Klavierbauer)-Computerflügel, und mit dem Real-time Composing entwickelte er eine eigene Methode, Musik im Augenblick zu erfinden und zugleich festzuhalten.

Unter den großen Gitarristen seiner Zeit hatte sein Name Gewicht. John Scofield nannte ihn „one of my favourites“, John Abercrombie sagte: „He's great, he's like a machine gun.“ Pat Metheny und Bill Frisell lernte er über seine internationale Festivaltätigkeit kennen, und Metheny kam eigens in den Wiener Jazzclub Jazzspelunke, um ihn zu hören.

Auf der Bühne und im Studio stand er außerdem mit Dave Liebman, Art Farmer, Lee Konitz, Charlie Mariano, Joachim Kühn, George Lewis, Don Moye, Barry Altschul, Marc Johnson, Toninho Horta, Daniel Humair, Jean-François Jenny-Clark, Mino Cinelu, Didier Lockwood, Jon Christensen, Tony Oxley, Herbert Joos, Wolfgang Dauner und Svend Asmussen. Bei „Air Mail“ spielte er mit Wolfgang Puschnig, Mike Richmond und Wolfgang Reisinger, im Vienna Art Orchestra war er Gast, einmal an der Seite von John Surman. Er nahm mehrfach für das renommierte europäische Jazzlabel ECM auf, das Kronos Quartet brachte 1991 in Graz drei seiner Stücke zur Welturaufführung, und als Professor für Jazzgitarre in Graz prägte er eine Generation von Musikern, unter ihnen Wolfgang Muthspiel.

Anfang der 2000er Jahre brachte der Musikkonzern Universal in der Reihe Austrian Jazzart Wiederveröffentlichungen und bis dahin unveröffentlichte Aufnahmen heraus, darunter „Light Blues“, „Live At Miles Smiles“ und die „Schönberg Improvations“. 2009 folgte unter der Regie seines Sohnes Daniel Pepl „Live In Concerts“ mit den Konzerten des Jazzzwio in Montreux und Innsbruck auf CD und DVD. Seit 2015 erscheinen Aufnahmen aus seinem Nachlass beim Wiener Label Fullmax Recordings. Zum 80. Geburtstag kam das Live-Album „Harry Pepl (tape) & The (Lonely) Single Swinger Band“ heraus, das beim Österreichischen Jazzpreis 2025 (Auszeichnung für Jazz aus Österreich) in der Kategorie bestes Jazzalbum des Jahres den zweiten Platz erzielte: Heutige Musiker improvisieren live mit seinen Originalspuren und treten mit ihm in einen Dialog. So wird Harry Pepl auch für eine jüngere Generation auf der Bühne erlebbar.

Dieses Archiv dokumentiert Leben und Werk auf der Grundlage des Nachlasses und der Forschung: Biografie, Chronik, Diskografie, Werkverzeichnis, Personen, Pressearchiv und offene Daten. Herausgegeben wird es von seinem Sohn Daniel Pepl, der den Nachlass verwaltet.

Sein Leben Seine Musik Mit wem er spielte Real-time Composing

Schüler wie Wolfgang Muthspiel zählen ihn bis heute zu den wichtigsten Impulsgebern der neueren europäischen Jazzgeschichte.

Ralf Dombrowski, Süddeutsche Zeitung, 2005

Die Österreicher Werner Pirchner und Harry Pepl zählten in den siebziger und achtziger Jahren zu den originellsten Köpfen des europäischen Jazz.

Neue Zürcher Zeitung, 2008

the most spectacular record of one of the most original guitar players of European Jazz in those years

Andreas Felber, European Jazz Masters Of The Past, 2004

his very own instrument–the guitar–where he is one of Europe’s undisputed jazz masters

Stephen Ferguson, PAO Records, 1996

Austrian guitarist Harry Pepl has gone a long and imperturbable way.

Harry Lachner, Amadeo, 1990

gehörte in seiner aktiven Phase zu den bedeutendsten Gitarristen weltweit

Ljubiša Tošić, Der Standard, 2005

Alle Pressestimmen

Gigant der Improvisation

Le Monde

He was an amazing guitarist, pianist and composer. His harmonic, rhythmic and sound concepts were very unique!

Jack DeJohnette, Ö1, 2020

Einer der führenden Jazz-Gitarristen Europas

neue musikzeitung, nach ORF, 2005

In den siebziger Jahren gab es fast keinen schnelleren Jazzgitarristen in Europa als den Österreicher Harry Pepl.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2005

Weitere Stimmen

Stimmen von Musiker:innen, aus der Kritik und von Harry Pepl selbst, bei jedem Besuch neu gemischt.

I think he was an international figure and definitely had his own voice.

Wolfgang Muthspiel, The San Diego Union-Tribune 2022

Mit seinem metallisch-klaren Sound und seinen überraschenden Akkordverbindungen entwickelte sich Pepl zu einem der eigenständigsten Gitarristen Europas

Martin Laurentius und Axel Stinshoff, Jazz thing 2005

Den Gitarristen und Komponisten Harry Pepl kann man wohl als eigenständigste und dabei auch als kompromißloseste Jazzstimme Österreichs bezeichnen.

Christian Rösner, Wiener Zeitung 1998

Ich spiele nicht nur über die Harmonie, sondern es passiert wirklich etwas, das mich selber überrascht, auch harmonisch.

Über sein Improvisieren, vor allem mit neuen Klängen am Gitarrensynthesizer; Rückblick im Gespräch mit Nikolaus Kohler 2005

Harry Pepl Gespräch mit Nikolaus Kohler, zitiert in Kohler 2006, S. 121

Alle Stimmen im Pressearchiv

Cover: Live

Aus dem Nachlass · 2025

Live

Harry Pepl (tape) & The (Lonely) Single Swinger Band

Das Album der 2018 neu formierten Live-Band, die Pepls Mehrspuraufnahmen von Tonband auf die Bühne bringt und dazu improvisiert; erschienen im Jahr von Pepls 80. Geburtstag.

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Stationen

  1. 1945 Geburt in Wien Wien
  2. 1952 Erstes Instrument: das Akkordeon Wien
  3. 1975 Beginn des Jazzzwio mit Werner Pirchner Wien
  4. 1977 Lehrauftrag an der Kunstuniversität Graz Graz
  5. 1980 Konzerte mit Benny Goodman in Berlin Berlin
  6. 1981 Jazzzwio beim Montreux Jazz Festival Montreux
  7. 1983 Air Mail findet seine Besetzung Wien
  8. 1983 ECM-Album mit „Air, Love & Vitamins“ München
  9. 1984 Ordentlicher Professor an der Kunstuniversität Graz Graz

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